Hypancistrus debilittera (L 129)


  • Gattungsname artenname (Erstbeschreiber, Jahr):
    Hypancistrus debilittera (Armbruster, Lujan & Taphorn, 2007)


    Deutscher Name: Kolumbianischer Zebrawels


    Familie: Loricariidae


    Unterfamilie: Hypostominae (Schilderwelse)


    Gattungsgruppe: Ancistrini (Ancistrus-Verwandte)



    Herkunft: Rio Bito, Rio Meta (Kolumbien), Rio Orinoco (Grenzgebiet Venezuela)


    Größe: verschiedene Angaben von 7-8 cm bis 10-12 cm, meine Exemplare sind 7-8 cm groß


    Temperatur und Wasserwerte: 26-28°C , Wasser weich bis mittelhart, leicht sauer, sauerstoffreich.



    Sozialverhalten: Man sagt den kleinen Kolumbianern Raufereien besonders unter den Männchen nach. Ich konnte das bei meinen Exemplaren noch nicht beobachten. Platz ist wahrscheinlich ausreichend und Reviere entsprechend den Bedürfnissen abgegrenzt. Ansonsten kann man diese Bodenbewohner im Gesellschaftsaquarium mit anderen Welsen und Salmlern halten, wenn diese nicht dazu neigen, diese etwas kleineren Hypancistren zu unterdrücken.



    Arttypische Merkmale: Dunkelgrau-schwarze Grundfärbung mit gelbem Streifenmuster, welches sich mit dem älter werden etwas auflöst in kürzere und wurmartige Linien. Der L 129 ist etwas kleiner und im Alter blasser als sein artverwandter Hypancistrus sp. aff. debiliterra L 454 aus dem Rio Atabapo. Bezahnung: oben = 10 - 11, unten = 7 - 9.



    (Zeichnung im Alter von 1 Jahr)



    Geschlechtsunterschiede und Fortpflanzung: Die Weibchen haben einen kürzeren und flacheren Kopf. Die Männchen haben einen gedrungeren und längeren Kopf und außerdem im Erwachsenenalter umfangreichen Odontodenbewuchs.
    Das Gelege der L 129 wird in Höhlen durch die Männchen betreut. Zur Zucht kann ich selbst aber noch nichts über meine Tiere berichten, da ich mich noch etwas gedulden muss.



    (Juveniles Männchen, 1 Jahr alt)



    Alter: keine Angaben gefunden. Vermutlich 15 Jahre wie auch andere Exemplare dieser Gattung.


    Ernährung: Allesfresser. Bei mir hauptsächlich Welssticks und -tabs und ab und zu rote Mückenlarven.



    Aquarium / Beckeneinrichtung: Die empfohlene Beckenlänge liegt bei 80 cm. Ich würde bei einer Gruppe (in meinem Fall 2 M. / 5 W.) aber aus eigener Erfahrung weniger als 100 cm nicht anraten. Meine Tiere haben eine Grundfläche von 1,20m x 0,50m zur Verfügung und teilen sich den Platz mit einer Gruppe Sturisoma festivum und 3 L 387. Als Beifische besitze ich 17 Zitronensalmler und 15 Pfeffersalmler. Der Bodengrund besteht aus feinem Kies Körnung 1-2 mm. Außerdem sind viele Steine unterschiedlicher Größe und Beschaffenheit, viele Wurzeln und fast doppelt so viele Tonhöhlen wie Fische vorhanden. Die Welse verbringen die meiste Zeit in ihren Höhlen. Nur ein einziges Exemplar lebt gegen jede Beschreibung in einer Wurzel. Bepflanzt ist das Becken mit Valisnerien, Cryptocorynen, Echinodorus, Javafarn und verschiedenen Anubiasarten. Gegenügend Strömung und Sauerstoffzufuhr erziele ich mit einem Außentopffilter mit Diffusoraufsatz und einer zusätzlichen Strömungspumpe mit Filterschwammrolle. Die Temperatur liegt bei 26-27°C, der PH-Wert bei 6,5 , die GH bei 2°dH und die KH bei 3°dH. Beleuchtet wird das Becken mit 2 x T 8 Licht à 30 Watt, davon eine Röhre Pflanzenlicht 2800 K und eine Röhre Tageslicht 6700 K. Etwas abgedunkelt wird alles durch das Einbringen von Erlenzäpfchen und auf der Oberfläche wächst Brasilianischer Wassernabel. Wie erwähnt, gibt es bei mir keine Raufereien. Ich empfinde diese Welse als ausgesprochen friedlich und sozial.



    Zuchtbericht: Endlich kann ich erfreulicherweise an dieser Stelle meine Artenbeschreibung vervollständigen. Ich habe nichts Besonderes gemacht. Die Welse waren genau 1,5 Jahre alt. Ende Juli/Anfang August hatte ich nicht die Möglichkeit, den wöchentlichen TWW zu erledigen. Und es wurde, da ich zur Südseite heraus wohne, sehr warm (29°C) in meiner Wohnung und somit auch im Aquarium. Als ich an einem Mittwoch eine neue Abdeckung auf dem Becken angebracht hatte und mein Ergebnis mit dem neuen Licht ausführlich begutachtete, entdeckte ich in einer selbstverständlich recht schwer einsehbaren Ecke meines Aquariums eine am Röhreneingang ausgiebig fächelnde Schwanzflosse. Ich glaubte nicht wirklich an eine glückliche Fügung und war an diesem Tag von der Aquariumscheibe nicht mehr wegzubekommen. Aber der Wels fächelte die nächsten Tage immer weiter ohne Unterlass. Mit gemischten Gefühlen überlegte ich, ob er Eier oder gar nur Kieselsteine befächelt. Ich achtete in dieser Zeit peinlichst darauf, dass in diese Ecke kein Futter fällt sondern fütterte ganz weit weg die anderen Fische. Am 9. Tag der Fächelei nahm' ich dann nach langer Überlegung die Höhle heraus um mich zu vergewissern. Da müsste ja nun lange schon was passiert sein. Der Welspapa schwamm auf Grund dieser Aktion hektisch in seinem Revier umher, während ich in der Höhle 2 frisch geschlüpfte Larven entdeckte. Hoffentlich würde das gutgehen dachte ich nur, denn m.E. hätten die Kleinen schon ein Stück weiter sein sollen. Nach einigen Überlegungen und Telefonaten, wie ich am besten weiter machen sollte (Einhängekastenpflege schied in der Zeit aus diversen Gründen aus), legte ich die Höhle an ihren ursprünglichen Platz zurück. Der Vater ging kurz darauf in die Höhle zurück und fächelte unverzüglich weiter. Nun wusste ich, es sind keine Kieselsteine und freute mich. Die Anzahl der Jungen entzog sich natürlich vorerst meiner Kenntnis. Nun hieß es wieder warten. Laut diverser Literaturangaben musste ich jetzt nochmal 14 Tage Geduld aufbringen. Und genau ab Tag 14 hörte die Fächelei auf. Am Tag 15 auch kein Fächeln, aber auch nirgends junge Fische zu sehen. Erst am Tag 16 getraute ich mir, die Höhle herauszunehmen. Und was sehe ich? Nichts! Ich hatte den Rest des Tages keine Hoffnung mehr, bis ich abends dann folgende Entdeckung machte:



    Nach und nach fand ich in den kommenden Stunden weiter Jungtiere. Es waren 7 auf einen Streich. Sie hielten sich auf Steinen und in einer Ecke neben der Silikonnaht auf. Im Laufe der Zeit erweiterten sie ein wenig ihren Radius und trauten sich aus der Ecke raus. Bis auf einen, der sich hartnäckig mehrere Tage dort aufhielt und dadurch auch vom Wachstum her hinter den anderen zurück blieb. Ich fütterte die Jungen ab da mit pflanzlichem und tierischem Kleinstfutter. Dupla Rin S, Tropical Mikrovit Spirulina und dekapsulierten Artemiacysten. Diese weichte ich vorher ein, damit sie sofort absinken und nicht von den Salmlern alle weggefressen werden. Diese fütterte ich aber sowieso vorher mit ihrem Granulatfutter, damit sie abgelenkt sind vom Babyfutter und noch etwas auf dem Boden ankommt. Am meisten beobachtete ich aber die Kleinen beim Abweiden der an der Seitenscheibe belassenen Algen und auf den Vallisnerien. Das scheint bis jetzt ihre Hauptfutterquelle zu sein. Neben einem ganz besonderen Leckerbissen: Tetra Natura Algae Block. Wenn ich davon einen aller 2 Tage an die Futterstelle einbringe, sind meist alle kleinen Welsen daran/darauf/darunter zu sehen. Sie müssen sich das - allerdings in friedlichem Miteinander - mit den L 387 teilen. Tag 20:



    Eine ganze Weile sah ich immer nur noch 5 Jungwelse. Ich war etwas traurig, aber dachte, dass das eben der Lauf der Dinge sei. Ein wenig Hoffnung hatte ich jedoch noch. In meinem Unterwasserdschungel konnten die Beiden überall versteckt sein. Dass irgendwelche Mitbewohner daran gegangen sein könnten, war auszuschließen. Keiner stellte ihnen nach. Selbst die Zitronensalmler, bei denen ich etwas Bedenken hatte, erwiesen sich als die friedlichsten und an Welsbabys desinteressiertesten Salmler. Sie sind bei mir überwiegend vegetarisch unterwegs. Und dann kam der Tag, an dem ich alle 7 wieder auf einmal gesehen hatte. Sie scheinen sich also mit dem Herauskommen aus ihren Ritzen und Nischen abzuwechseln. Ich freue mich natürlich sehr darüber, besonders auch, dass der kleine ehemalige Eckenhocker recht verfressen ist und den anderen gegenüber nun schon fast aufgeholt hat. Sie sind jetzt nach 5 Wochen reichlich 1,5 cm groß und die Zeichnung wird immer schöner. Ich hoffe ganz sehr, dass ich diese Nachzucht an dieser Stelle als erfolgreich verbuchen kann und mir diese kleine hübsche Truppe erhalten bleibt. Hier noch ein Bild von Tag 34:



    Zum Schluss noch ein DANKE an all Jene, die mich mit Rat und Tat unterstützt haben.



    zum Diskussionsthema

  • L-ko

    Hat den Titel des Themas von „Hypancistrus debilittera L 129“ zu „Hypancistrus debilittera (L 129)“ geändert.