Grüne Walnussschalen - Getrocknet verwendbar wie Walnusslaub?

  • Hi zusammen,


    da ich hier direkt vor meinem Fenster einen Walnussbaum stehen hab, und vor kurzem beim Laubrechen über die noch grünen Nüsse (also Nuss noch in grünem, fleischigem Mantel) gestolpert bin, fragte ich mich, ob man diese Schalen denn ins Aquarium werfen könnte.
    Ich hab mir also so eine Nuss geschnappt und die grüne Schale runter geschnitten und getrocknet. Inzwischen ist das wunderbar trocken und hat sich zu kleinen Röllchen geformt. In einem Wasserglas mit einem dieser Röllchen hat sich innerhalb kürzester Zeit ein schöner brauner Sud gebildet.


    Weiß jemand ob man das ohne weiteres ins Aquarium geben kann? Ich hätte den Schalen jetzt unterstellt, in etwa die Wirkung wie das Laub zu haben. Kann das jemand bestätigen/verneinen? Oder hat gar jemand praktische Erfahrung mit sowas?


    Felix

  • Hi,


    alles was ich zum Wasser testen im Haus hab ist ein Leitfähigkeitsmessgerät, und eventuell noch einen pH- sowie Kh-Test die jeweils 5 Jahre alt sind.
    Und mir geht es ehrlich gesagt auch eher um das, was im Wasser enthalten ist, aber mit den bei uns üblichen Wassertests nicht nachweisbar ist...


    Felix

  • Hi,


    vor einigen Jahren hat mir ein Gewittersturm aus absolut untypischer Richtung (ich erwähne das deswegen weil ich bei der Anlage des Teichs eigentlich drauf geachtet habe das es mir nicht unnötig viel Zeux in den Teich weht) ca, 20-25 grüne Walnüsse in einen 700l Plasteteich geworfen.
    Binnen weniger Stunden war das Wasser schwärzer als der Rio Negro und sämtliche Tanichthys albonudes und Gymnogeophagus meredionalis schwammen kieloben.


    Ich persönlich nehme seitdem jedenfalls Abstand von Experimenten mit grünen Nüssen und dieser Teich wurde nie mehr mit Fischen besetzt, er dient jetzt als Lefu-Reservoir.


    p.s. was habt ihr bei euch für Nussbäume das die schon Laub werfen? Hier stehn die noch voll im Saft....

  • Hi,


    ich hab nicht bei dem Nussbaum das Laub gerecht, sondern bei einem Baum nebendran, der sein Laub aber auch unter den Nussbaum befördert hat...
    Danke für den Hinweis. Ich hab mal ungefähr 25ml von der Brühe in ein 54l Becken gegeben, bisher geht es allen Bewohnern gut, ich hoff dasbleibt auch so...


    Felix

  • Hallo Felix,


    ich grabe dein altes Thema mal wieder vor und wollte fragen ob du die getrockneten Nussschalen weiter eingesetzt hast? Ich habe auch einen riesigen Nussbaum im Garten und daher genug Rohmaterial zu Verfügung. Die Blätter verwende ich schon, aber jetzt wäre noch die Zeit die Nüsse samt Schale vom Baum zu ernten.

  • Hi Tim,


    da fragst du mich jetzt was. Ich wusste gar nicht mehr, was ich schon so alles ausprobiert habe:D


    Ich musste jetzt erst noch mal überlegen, was ich 2011 so an Becken hatte. Es müssten zwei 54er gewesen sein, jetzt ist nur die Frage, ob es damals die Nannostomus und Hemiloricaria abbekommen haben oder ob es doch die Boraras waren. Ich weiß es nicht mehr.

    Ich kann aber definitiv sagen, dass es nicht schiefgegangen ist, denn da würde ich mich dran erinnern. Ich hatte niemals Fischsterben oder sowas in einem meiner Becken.


    Ich habe die Mischung aber mit ziemlicher Sicherheit auch nicht ernsthaft weiterverwendet, denn ich kann mich nicht dran erinnern. Sorry, dass ich nicht mehr beisteuern kann.

    Ich hätte aber denke ich wenig Skrupel es noch einmal auszuprobieren, ich wohne aber nicht mehr neben dem Walnussbaum;) Man muss sich halt langsam herantasten.

    Vielleicht kann inzwischen ja jemand was dazu sagen, ist ja schon ein paar Tage her und wir haben einige neue Mitglieder seit dem dazubekommen.


    Viele Grüße

    Felix

  • Hallo Felix,


    Danke für die Rückmeldung. Ich habe gestern die restlichen Grünen Nussschalen eingesammelt und entnusst. Waren fast keine mehr da, dafür schon hunderte auf dem Boden. Jetzt werde ich die erstmal trocknen und dann ausprobieren.

  • Hallo Tim,

    da bin ich mal auf deinen Bericht gespannt. Ich finde das Thema sehr interessant.

    Über die Anwendung der Blätter gab es vor einigen Jahren auch mal einen Bericht in der "Amazonas" soweit mich meine Erinnerung nicht trügt.

    Liebe Grüße

    Swen

  • Hallo Rudi,


    danke für den Link!

    Du hast ganz recht, man muss nicht alles ins Becken werfen, da bin ich also ganz bei dir. Ich für meinen Teil tu das auch nicht und habe es auch noch nie getan. Ich mache mich vorher schlau und wenn es keine Infos gibt, es mir aber nicht abwegig erscheint, taste ich mich heran.

    Hier gilt, wie bei so vielem, die Dosis macht das Gift. Was in geringen Mengen noch gesund ist wird oftmals in hoher Dosis giftig.

    In dem Link werden, dankenswerterweise, Quellen angegeben, von den dort aufgeführten erscheinen mir Strugstad & Despotovski am ehesten in die Richtung zu gehen, um die es bei uns geht. Ich habe aber grade keine Zeit den Artikel zu suchen bzw. zu lesen, vielleicht mag ja jemand anderes sich da durchwühlen.


    Ich möchte an dieser Stelle, rein zur Sicherheit, nochmal dazu sagen, dass ich niemanden überrede irgendetwas zu tun oder es gar empfehle. Ich habe geschrieben, dass ich wenig Skrupel hätte es auszuprobieren, aber würde das natürlich auch nur tun, wenn ich kurzfristig reagieren kann. Also nicht reinkippen und einfach mal weg sein und nach längerer Zeit nachsehen was passiert ist.


    Viele Grüße

    Felix

  • Hallo zusammen,


    ich habe zu der Thematik noch einen weiteren Artikel gefunden:

    Laub im Aquarium Teil 2 - Die Walnuss, der Zauberbaum - Aqualog.de
    In Teil 1 (https://www.aqualog.de/blog/laub-im-aquarium/) informierten wir Sie über die grundlegendenVorteile von Laub im Aquarium. In Teil 2 der Serie stellen…
    www.aqualog.de


    Ich habe bei Frank dann per Mail nochmals nachgefragt und folgende Rückmeldung bekommen:

    Zitat

    Mit getrocknetem grünen Laub machst Du im Prinzip einen Heuaufguss, das Wasser wird bakteriell durch Fäulnisbakterien wegen des hohen Nährstoffgehaltes im grünen Laub enorm belastet. Darum zu medizinalen Zwecken wirklich nur braunes Laub verwenden. Was Du allerdings probieren kannst, ist eine Teezubereitung aus getrocknetem grünen Laub. So würde ich auch die Fruchtschalen verwenden. Ich habe keine praktische Erfahrung damit, aber sehe nicht, warum das nicht gehen sollte. Als Dosierung würde ich 1 Teilblatt grünes Laub auf 10 Liter oder 1 halbe Fruchtschale auf 20 Liter Aquarienwasser nehmen. Die entsprechende Menge Laub oder Fruchtschale mit 0,5-1 Liter sprudelnd kochendem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen, abfiltern und nach Abkühlung in Becken geben. Sei aber vorsichtig und probiere erstmal etwas rum, die Gefahr liegt, wie gesagt, weniger in einer möglichen Überdosierung als in einer bakteriellen Zusatzbelastung.

    Zu der Dosierung von Walnussblättern habe ich noch folgende Info gefunden:

    Zitat von DATZ 01/2017 - Allerlei gesundes Grünzeug von Petra Fitz

    Als therapeutische Dosis werden bei der Walnuss drei bis acht (getrocknete) Blattquirle pro 100 Liter Aquarienvolumen empfohlen.

    Zur Betäubung bzgl. Fischfang habe ich diese Stelle gefunden:

    Juglon aus der Walnuss und verwandten Bäumen wie der Flügelnuss wird traditionell im asiatischen Raum zum Fischfang benutzt. Dazu werden gestampfte Grünteile in einem Stofftuch in den Fluss gehängt. Die Fische in diesem Abschnitt werden durch die Toxizität des Inhaltsstoffes betäubt und können abgefischt werden. Nach kurzer Dauer wird das Juglon im Fluss dann oxidiert und inaktiv.

    Ob das tatsächlich so ist, kann ich nicht bewerten.


    In dem referenzierten Bericht von Strugstad & Despotovski habe ich folgende Angaben bzgl. Toxizität bei Fischen gefunden:

    Zitat von Strugstad MP, Despotovski S: A summary of extraction, synthesis, properties, and potential uses of juglone: A literature review. Journal of Ecosystems and Management 2012; 13: 1–16

    Marking (1970) discovered that juglone was an effective fish toxicant. His studies showed juglone was highly toxic to nine species of fish, including rainbow trout (Salmo gairdneri),

    northern pike (Esox lucius), goldfish (Carassius auratus), carp (Cyprinus carpio), white sucker (Catostomus commersoni), black bullhead (Ictalurus melas), channel catfish (Ictalurus punctatus), green sunfish (Lepomis cyanellus), and bluegill (Lepomis macrochirus) at concentrations ranging from 27 to 88 parts per billion over a 96-hour period.

    In a study conducted to screen natural product biocides for the control of non-indigenous species, juglone scored high. For example, in five out of six taxonomic groups tested, juglone was among the most toxic (Wright et al. 2007a).

    ebenfalls enthalten sind Angaben zum Jonglon-Gehalt der einzelnen Teile. Leider lässt sich die Tabelle nur schlecht einfügen, daher verzichte ich darauf.


    Nimmt man die angegebenen Konzentrationen an und rechnet sich mit den Inhaltsangaben der einzelnen Teile die ppm aus, komme ich auf folgende Dosierungen (ausgegangen wird vom getrockneten Gewicht):

    27 ppb = 0,027 ppm = 2,2g Blätter/ 100 Liter oder 0,4g Schalen/ 100 Liter

    88 ppb = 0,088 ppm = 7,2g Blätter/ 100 Liter oder 1,3g Schalen/ 100 Liter


    Aber die Rechnung kann man so wahrscheinlich nicht machen, da man zur Extraktion des Juglon aus den Blättern/Schalen organische Lösungsmittel verwendet. Ich habe zudem Angaben gefunden, dass Juglon selbst nicht wasserlöslich ist. Wie die Juglon-Konzentration im der Untersuchung von Marking hergestellt wurde, ist nicht erwähnt.


    Generell werden dem Stoff viele Wirkungen zugesprochen. Antibakteriell und Pilzhemmende sind wahrscheinlich die für die Aquarist interessantesten. Um die jeweiligen Dosierungen zu finden, müsste man aber wirklich deutlich tiefer in die Thematik einsteigen bzw. explizite Untersuchungen dazu machen.

    Hier gilt, wie bei so vielem, die Dosis macht das Gift. Was in geringen Mengen noch gesund ist wird oftmals in hoher Dosis giftig.

    So sehe ich es auch. In hoher Dosis und ohne Beobachten sollte man es natürlich nicht machen.